Gehören „Brillenschlangen“ zu den gefährdeten Tierarten im menschlichen Alltag? Sie sind seltener zu sehen, seitdem immer mehr jugendliche Brillenträger ihr Gestell gegen unauffällige Kontaktlinsen eintauschen. Doch haben diese Sehhilfen nur Vorteile?

Viele Jugendliche, die eine Brille verschrieben bekommen, fühlen sich vom Metallgestell auf der Nase beeinträchtigt und mögen sich damit nicht mehr leiden. Seit rund 30 Jahren gibt es eine andere Art der Sehhilfe: die Kontaktlinse.
„Es gibt Leute, denen eine Brille total gut steht“, sagt Julia (17) aus Kleinenberg, „ich gehöre aber leider nicht dazu.“ Vor einem Jahr hat sie sich entschieden, ihre Brille gegen Kontaktlinsen einzutauschen und bereut dies keine Sekunde. „Meine ältere Schwester trägt schon länger Kontaktlinsen und hatte nie Probleme.“
„Mein Optiker hat mir schon öfter Kontaktlinsen angeboten, doch es war für mich nie ein Thema“, erzählt Katharina aus Oldenburg. Als sie sich im Sommer für eine Segelfreizeit anmeldete, kam der 20-Jährigen die Idee, es mit Kontaktlinsen zu versuchen. „Als ich sie zum ersten Mal in den Augen hatte, war das ein tolles Gefühl, ohne Störfaktor scharf gucken zu können. Zuerst dachte ich, meine Augen wären auf einmal wieder total gut.“ Sie sei sehr glücklich über diese Entscheidung.
„Ich mochte meine Brille nicht leiden und ich kenne auch einige Bekannte, die ohne Brille viel besser aussehen würden“, sagt Natalie (18) aus Willebadessen. Der Vorteil der Kontaktlinsen: Sie beschlagen nicht, werden nicht dreckig, und man kann sich damit viel freier bewegen. „Die Kontaktlinsen sind für mich eine große Erleichterung, da ich Handball spiele und ich mich mit Brille nicht so frei bewegen konnte. Es dauert keine Minute, sie einzusetzen und man kann problemlos gucken.“
Die 15-jährige Vera trägt Kontaktlinsen, die sie einen Monat lang nutzen kann. Am Ende des Monats greift sie dann auf neue Linsen zurück, „da die alten Linsen dann schon ganz schön ausgenutzt und nicht mehr so leicht einzusetzen sind“. Schließlich muss man die Kontaktlinsen jeden Abend herausnehmen und jeden Morgen wieder einsetzten. „Da es mich sehr stört, etwas im Gesicht zu haben, nehme ich mir dafür gerne die Zeit.“
Sebastian ist begeisterter Brillenträger. „Ich finde die Vorstellung, etwas direkt auf dem Auge zu tragen, komisch“, sagt der 14-Jährige. „Mein Optiker hat mir nie dazu geraten, Kontaktlinsen zu tragen. Und ich finde das Reinmachen eklig“, sagt er. Dennoch sei es sinnvoll, dass es Kontaktlinsen gibt, „vielleicht greife auch ich eines Tages darauf zurück“.
Die Kontaktlinsenträger sehen auch Nachteile: „Manchmal denkt man, dass man etwas im Auge hat, wenn es juckt oder brennt“, sagt Natalie. Ihre Linsen dürfen nur 24 Stunden lang getragen werden. Kritisch kann es werden, wenn man abends vergisst, sie herauszunehmen. „Dann sind die Augenlider verklebt und sollten vorsichtig ausgewaschen werden“. Bei schlechter Pflege können sich Bakterien auf der Linse ansiedeln. Deshalb ist die sorgfältige Pflege der Kontaktlinsen wichtig.
Und wie ist der Kostenfaktor. „Kontaktlinsen sind kaum teurer als eine Brille, auch wenn man zusätzlich Pflegemittel kaufen muss“, erklärt Natalie. In die Flüssigkeit werden die Kontaktlinsen abends zur Pflege und Reinigung gelegt. Mit rund 10 bis 15 Euro monatlich muss man rechnen. „Aber dafür trägt man schließlich auch keine Brille mehr“, sagt Natalie. Zuhause und am Wochenende ist allerdings manchmal die gute alte Brille gefragt. Die „Brillenschlange“ ist also doch noch nicht vom Aussterben bedroht.



